Grundlehren der TCM - #2 Trauerarbeit mit dem Element “Metall”

Der Dickdarm-Meridian spielt in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) eine zentrale Rolle, wenn es um das Thema Abschied, Loslassen und Trauer geht. Er gehört zum Metall-Element, das für Struktur, Abgrenzung und den natürlichen Rhythmus von Nehmen und Gehen steht. Auf körperlicher Ebene reguliert der Dickdarm das Ausscheiden dessen, was nicht mehr gebraucht wird. Auf seelischer Ebene spiegelt er die Fähigkeit wider, Erfahrungen, Beziehungen und Lebensphasen bewusst zu verabschieden.

Trauer entsteht häufig dort, wo dieser Prozess des Loslassens ins Stocken gerät. Ein Verlust – sei es durch Tod, Trennung oder einen tiefgreifenden Lebenswandel – hinterlässt Leere, Enge oder das Gefühl, „etwas festzuhalten“, obwohl es nicht mehr da ist. In der TCM zeigt sich dies oft als Schwäche oder Blockade im Metall-Element: Atmung wird flacher, die Haut reagiert sensibler, der Körper wirkt angespannt oder erschöpft. Der Dickdarm-Meridian ist dabei eng mit der Lunge verbunden, die als Organ der Trauer gilt. Gemeinsam bilden sie ein energetisches Paar, das den Übergang zwischen Innen und Außen, Vergangenheit und Gegenwart gestaltet.

Shiatsu kann in Trauer- und Abschiedsprozessen auf besonders sanfte Weise unterstützen. Durch achtsamen, präsenten Druck entlang des Dickdarm-Meridians wird der Energiefluss harmonisiert und der Körper eingeladen, Spannungen loszulassen. Diese Berührung wirkt nicht „machend“, sondern begleitend: Sie schafft einen sicheren Raum, in dem Gefühle auftauchen dürfen, ohne überwältigend zu werden. Oft erleben Menschen während einer Shiatsu-Behandlung ein tieferes Atmen, ein Nachlassen innerer Enge oder das stille Fließen von Tränen – Zeichen dafür, dass der Prozess des Abschieds wieder in Bewegung kommt.

Im Kern hilft Shiatsu, Trauer nicht zu „überwinden“, sondern sie zu durchleben. Der Dickdarm-Meridian erinnert daran, dass Loslassen kein Verlust an sich ist, sondern eine Voraussetzung für Wandlung. Indem Shiatsu Körper und Seele dabei unterstützt, Altes würdevoll gehen zu lassen, kann langsam Raum entstehen für das, was neu ins Leben treten möchte – nicht als Ersatz, sondern als Fortsetzung in veränderter Form.